toggle-navlogo

GRÜNDE FÜR DIE BESCHAFFUNG
VON NACHHALTIGER BAUMWOLLE

In diesem ersten Abschnitt des Leitfadens werden die Argumente dargelegt, die für die Beschaffung von nachhaltig produzierter Baumwolle sprechen.
Wir analysieren einige der Probleme, die ein nicht nachhaltiger Baumwollanbau verursachen kann. Daraufhin stellen wir die Herausforderungen und großen Chancen einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Baumwollproduktion vor. Am Ende des Abschnitts präsentieren wir Ihnen einen Leitfaden für den Einstieg in die Beschaffung von nachhaltiger Baumwolle.

Die meisten von uns kommen jeden Tag mit Baumwolle in Berührung. Baumwolle macht allgemeinen Angaben zufolge etwa 30 % aller im Textilsektor verwendeten Fasern aus. Weltweit wird auf rund 30 Millionen Hektar Baumwolle angebaut – dies sind über 2 % der weltweit verfügbaren Ackerfläche. Die jährliche Produktionsmenge beträgt etwa 25 Millionen Tonnen.

Baumwolle wird in mehr als 80 Ländern angebaut; die Produktion sichert die Lebensgrundlage von über 350 Millionen Menschen, darunter sind 50 bis 100 Millionen Bauern.

Baumwolle ist aus vielen Gründen sehr beliebt.

Warum ist Baumwolle so ein vielseitiger Rohstoff?

Baumwolle ist eine vielseitige Faser, die von Denim bis Spitze in viele Stoffe eingewebt werden kann. Baumwolle lässt sich leicht färben und mit anderen Fasern wie Polyester mischen.

Baumwolle ist sehr weit verbreitet und deshalb erschwinglich

Baumwollfasern sind zäh und langlebig. Es ist die einzige Faser, die im nassen Zustand noch fester wird. Kleidung aus Baumwolle kann immer wieder getragen und gewaschen werden.

Da Baumwolle sehr heißes Wasser und hohe Temperaturen verträgt, kann sie einfach sterilisiert werden und ist somit für Krankenhausbekleidung und -zubehör sowie für die Uniformen von Feuerwehr und anderen Rettungsdiensten besonders geeignet.

Stoffe aus Baumwolle sind weich, sie reizen die Haut weder durch Kratzen noch durch Scheuern. Baumwolle ist eine der wenigen Naturfasern, die praktisch keine allergischen Reaktionen hervorruft – sie ist daher für Babys und Menschen mit empfindlicher Haut oder mit einer Neigung zu Ekzemen besonders geeignet.

Baumwollgewebe lässt die Haut atmen. Baumwolle saugt die Feuchtigkeit des Körpers auf und hält deswegen bei hohen Temperaturen trocken. Bei niedrigen Temperaturen bietet der Stoff eine gute Wärmeisolierung.

Baumwolle ist atmungsaktiv und geruchsneutral.

Baumwolle ist biologisch abbaubar und eine erneuerbare Ressource (obwohl sie beim Wachsen ggf. nicht erneuerbare Ressourcen verbraucht).

Baumwollfasern können wiederverwendet und recycelt werden. Mit der richtigen Technologie können Baumwollgewebe zerkleinert und die Fasern zu neuem Garn oder sogar zu Papier weiterverarbeitet werden.

Baumwolle ist für Kleinbauern eine wichtige Nutzpflanze, sie kann für Bekleidungsfasern, als Brennstoff und als Lebensmittel (Baumwollsamenöl) verwendet werden. Die durch den Baumwollanbau erwirtschafteten Einnahmen sind häufig für die Aufrechterhaltung eines guten Lebensstandards unverzichtbar.

Baumwolle ist aus der Mode und dem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Durch Effekte wie dem Klimawandel, der mit Wasserknappheit, abnehmender Bodenqualität und erhöhtem Druck auf landwirtschaftliche Flächen einhergeht, können wir jedoch nicht davon ausgehen, dass die Versorgung mit Baumwolle auch in Zukunft gesichert werden kann.

Wenn Unternehmen ihrer Sorgfaltspflicht gemäß den Leitlinien der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nachkommen, können diese Probleme über mehrere Lieferketten hinweg sichtbar gemacht und angegangen werden. Dann ist es auch möglich, sinnvolle Abhilfemaßnahmen zu treffen und anschließend über die erzielten Ergebnisse zu berichten.

Dieser Leitfaden soll Marken, Einzelhändler usw. bei der Beschaffung von nachhaltiger Baumwolle unterstützen, damit wir die Vorteile dieser Faser auch in Zukunft nutzen können.

Baumwolle in Zahlen

In der Regel produzieren Bauern in mehr als 80 Ländern etwa 25 Millionen Tonnen Baumwolle – damit ist Baumwolle die weltweit am häufigsten erzeugte Naturfaser.

Sie macht fast 30 % der weltweiten Textilproduktion aus; ihre Geschichte reicht über 8000 Jahre zurück.

Aus einem 227 kg schweren Baumwollballen können 215 Paar Jeans, die Wäsche für 250 Einzelbetten, 1200 T-Shirts, 2100 Paar Boxershorts, 3000 Windeln, 4300 Paar Socken oder 680.000 Wattebäusche hergestellt werden.

Der globale durchschnittliche Wasserbedarf von Saatbaumwolle beträgt 3644 Kubikmeter pro Tonne; das entspricht fast dem Fassungsvermögen von 1,5 olympischen Schwimmbädern.

Weltweit werden schätzungsweise 60 % der Baumwolle auf bewässerten und 40 % auf beregneten Feldern angebaut.

Über 60 % der Baumwolle werden von Kleinbauern in Entwicklungsländern produziert, die zum Teil zu den ärmsten und am stärksten gefährdeten Ländern der Welt gehören.

Vom Nischenprodukt zum Mainstream

In den letzten 30 Jahren wurden zahlreiche Standards und Programme für den Baumwollanbau entwickelt, wodurch gute Fortschritte bei der Bewältigung der bestehenden Herausforderungen gemacht werden konnten. Mit über 2,6 Millionen Tonnen im Jahr 2015/16 steht inzwischen mehr nachhaltig angebaute Baumwolle zur Verfügung als je zuvor.

Trotz steigender Marktanteile ist nachhaltig angebaute Baumwolle nach wie vor ein Nischenprodukt. Für 2016/17 wird das Gesamtvolumen an nachhaltiger Baumwolle auf 15 % der Weltproduktion geschätzt. Davon wird allerdings nur rund ein Fünftel (21 %) von Unternehmen als nachhaltige Baumwolle gekauft. Der Rest landet als herkömmliche deklariert Baumwolle auf dem Markt.

Damit die Produktion nachhaltiger Baumwolle weiter wachsen kann, müssen Marken und Einzelhändler den Baumwollbauern auf der ganzen Welt signalisieren, dass die Kunden auf Nachhaltigkeit setzen.

Wenn das Bewusstsein für die Bedeutung von nachhaltiger Baumwolle bei Marken, Einzelhändlern und anderen Branchenvertretern geschärft wird und die Beschaffung über eine Reihe von Standards erleichtert wird, kann sich nachhaltige Baumwolle zum bevorzugten Produkt der Branche entwickeln.

WordPress Video Lightbox
Next:
Next: