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GRÜNDE FÜR DIE BESCHAFFUNG
VON NACHHALTIGER BAUMWOLLE

Die Anbausysteme für Baumwolle können sich je nach Anbaugebiet stark voneinander unterscheiden. In Ländern wie den USA, Australien und Brasilien wird Baumwolle von großen, modernen Landwirtschaftsbetrieben unter Einsatz von mechanischen Hilfsmitteln und Erntesystemen angebaut. In anderen Teilen der Welt, etwa in Indien und Mali, ist die Produktion oft arbeitsintensiver, da die Schädlingsbekämpfung und die Ernte von Hand geschehen.

Unabhängig vom jeweiligen Anbaugebiet gilt: Wenn bei der Produktion von Baumwolle keine Nachhaltigkeitskriterien beachtet werden, kann dies zu erheblichen Problemen führen und in einigen Teilen der Welt mit beträchtlichen sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Auswirkungen verbunden sein.

Dank der Fortschritte in der Branche konnten diese Auswirkungen in den letzten Jahren reduziert werden. Es gibt ermutigende Anzeichen dafür, dass sich dieser Trend fortsetzt. Klar ist aber auch: Es bleibt noch viel zu tun.

Die häufigsten Probleme bei nicht nachhaltigem Anbau von Baumwolle sind:

Je nach Region und Anbaumethoden kann Baumwollanbau zu übermaßigem Wasserverbrauch beitragen. Der globale durchschnittliche Wasserbedarf von Saatbaumwolle beträgt 3644 Kubikmeter pro Tonne, was fast dem Fassungsvermögen von 1,5 olympischen Schwimmbädern entspricht.

Verschiedene Faktoren beeinflussen den Wasserverbrauch und die durch den Anbau verursachte Schadstoffbelastung. Hierzu gehören die Bewässerung der Baumwolle (Regen, künstliche Bewässerung), die Art und Menge der eingesetzten Düngemittel und Pestizide sowie die Beschaffenheit des Bodens. Weltweit werden etwa 60 % der Baumwolle auf künstlich bewässerten Feldern und etwa 40 % auf Feldern angebaut, bei denen die Niederschlagsmenge ausreicht.

Bei unsachgemäßer Bewirtschaftung können erhebliche Mengen an Wasser verbraucht und mit Schadstoffen belastet werden. Bei künstlicher Bewässerung wird Grund- und/oder Oberflächenwasser genutzt. Wird der Wassereinsatz dabei nicht ausreichend reguliert, besteht die Gefahr, dass die Süßwasserressourcen abnehmen, insbesondere in Regionen, in denen bereits Wasserknappheit herrscht.

Wie bei vielen anderen Nutzpflanzen kann der Einsatz von Düngemitteln in der Baumwollproduktion zu einer Eutrophierung (Anreicherung von Wasser mit Stickstoff) führen, was sich auf die Qualität des Trinkwassers auswirkt. Betroffen davon sind Menschen, Tiere und die Biodiversität im Wasser.

Wenn Baumwolle nicht nachhaltig angebaut wird, kommen in der Produktion ggf. viele Pflanzenschutzmittel und erdölbasierte Düngemittel zum Einsatz. Zwar ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Düngemitteln in den letzten Jahren zurückgegangen, doch auch heute entfallen 10 % des weltweiten Verbrauchs dieser Chemikalien auf den Baumwollanbau, und das obwohl nur 2,5 % der weltweit verfügbaren Ackerflächen für die Erzeugung von Baumwolle genutzt werden. 2009 wurden 6,2 % der weltweit produzierten Pflanzenschutzmittel und 14,1% aller für die Landwirtschaft hergestellten Insektizide im Baumwollanbau eingesetzt.

Unsachgemäß eingesetzte Pflanzenschutzmittel und Düngemittel können zu einer erheblichen Schadstoffbelastung des Grundwassers und zu einer Verringerung der Bodenfruchtbarkeit führen. Außerdem können sie die menschliche Gesundheit und die biologische Vielfalt ernsthaft gefährden.

Die Produktion und Nutzung von Düngemitteln kann zu einer Erhöhung der Treibhausgasemissionen beitragen.

Weltweit werden über 60 % der Baumwolle von Kleinbauern produziert. Diese Kleinbauern sind besonders von Armut betroffen und auf Unterstützung angewiesen. Etwa 90 % der geschätzt 100 Millionen Kleinbauern leben in Entwicklungsländern und bewirtschaften Anbauflächen von höchstens zwei Hektar.

Viele Kleinbauern leben unterhalb der Armutsgrenze – sie verdienen durch den Verkauf von Baumwolle weniger, als sie zur Deckung der Grundbedürfnisse (Nahrung, Gesundheitsversorgung) und zum Kauf von Werkzeugen benötigen.

Zudem sind sie oft hoch verschuldet, was zum Teil auf hohe Betriebskosten (z. B. Pestizide und Düngemittel) zurückzuführen ist. Neben anderen Marktfaktoren kann dies häufig zu einem Teufelskreis der Armut führen.

Durch den nachhaltigen Anbau von Baumwolle können Millionen von Menschen aus der Armut befreit werden – sie profitieren von einem stabileren Einkommen und besseren Arbeitsbedingungen. Baumwolle ist eine wichtige Nutzpflanze für Kleinbauern, aus der Fasern, Treibstoffe und Lebensmittel (z. B. Baumwollsamenöl) gewonnen werden können. Das Bareinkommen aus dem Verkauf dieser Erzeugnisse ist für einen höheren Lebensstandard entscheidend.

Das US-Arbeitsministerium berichtete 2016, dass es in 18 Ländern bei der Produktion von Baumwolle zu Kinder- oder Zwangsarbeit kommt. Auch unter den sechs größten Produktionsländern sind einige Länder betroffen: China, Indien, Pakistan und Brasilien. 2018 haben die USA den Import von Baumwolle aus Turkmenistan aufgrund von Erkenntnissen über staatlich geförderte Zwangsarbeit verboten.

Erfreulicherweise wurde aus einigen Ländern, insbesondere aus Usbekistan, eine Verbesserung in Bezug auf Arbeitnehmerrechte gemeldet. Allerdings bedarf es weiterer Fortschritte.

Wie bei anderen Kulturen kann auch der Anbau von Baumwolle mit Rodungen verbunden sein und zu Bodenerosion und Kontamination sowie zum Verlust der biologischen Vielfalt des Bodens führen. Schlecht bewirtschaftete Böden können eine Abnahme der Bodenfruchtbarkeit und der Produktivität verursachen.

Eine nachhaltige Baumwollproduktion kann die Gesundheit des Bodens verbessern und zur Verringerung der Treibhausgasemissionen durch nachhaltigere Anbau- und Bewirtschaftungsmethoden führen.

Da die Weltbevölkerung bis 2030 auf 9 Milliarden Menschen ansteigen wird, können viele Nutzpflanzen wie Baumwolle auf Grund der Steigerung des Bedarfs an Nahrungsmitteln, Wasser und Energie eventuell nicht mehr in dem Ausmaß wie bisher angebaut werden. Vorsichtigen Schätzungen zufolge dürfte der Bedarf an Nahrungsmitteln um 40 %, an Wasser um 35 % und an Energie um 50 % steigen. Dadurch wird der Druck auf Landwirte steigen, ihre Flächen statt für Baumwolle, die in erster Linie als Faser genutzt wird, für den Anbau von Pflanzen zur Produktion von Lebensmitteln und Treibstoffen zu nutzen.

Die Anbaufläche für Baumwolle hat sich verringert, was zum Teil auf Ertrags- und Produktivitätssteigerungen zurückzuführen ist. Weltweit belief sich der durchschnittliche Baumwollertrag 2013/14 780 Kilogramm Lint pro Hektar im Vergleich zu 230 Kilogramm Lint pro Hektar in den 1950er Jahren. Bessere Anbaumethoden können eine kontinuierlich erhöhte Effizienz bei der Landnutzung bewirken.

Dennoch werden die Produktionsmenge und die Qualität der Baumwolle zunehmend von den Auswirkungen des Klimawandels beeinflusst, da Baumwollanbaugebiete besonders häufig Überschwemmungen, Dürren sowie extremer Hitze und Stürmen ausgesetzt sind. Dies wird in der gesamten Lieferkette landwirtschaftlich erzeugter Rohstoffe (einschließlich Baumwolle) zunehmend zu Schwierigkeiten führen.

Der Preis für Baumwolle schwankt aufgrund einer Reihe von Faktoren, zu denen nationale Rechtsvorschriften, die Lagerhaltung und eine staatlich subventionierte Landwirtschaft gehören. Im Zusammenhang mit anderen Faktoren ist der Markt für Baumwolle daher von größeren Unsicherheiten geprägt als die Märkte für andere Kulturpflanzen, die dadurch ggf. für die Bauern attraktiver sind.

Die Finanzierungsmöglichkeiten für den Anbau von Baumwolle sind nicht sonderlich bekannt, wodurch eine stabile Entwicklung der Baumwollmärkte erheblich beeinträchtigt wird. Wurde dieser Rohstoff früher zur Risikosteuerung genutzt, dient er in Zeiten niedriger Renditen zur Gewinnmaximierung an konventionellen Aktienbörsen und wird als reine Investitionsmöglichkeit betrachtet. Dies führt zu erheblichen Schwankungen bei den Preisen, zu denen die Bauern ihre Baumwolle zu einem bestimmten Zeitpunkt verkaufen können – ein wirklicher Bezug zu Angebot und Nachfrage besteht nicht.

Weitere Informationen über die zu bewältigenden Aufgaben bei der Baumwollproduktion:

Die jüngste Berichterstattung verdeutlicht die Dringlichkeit der mit Baumwolle verbundenen Probleme und zeigt den wachsenden Handlungsbedarf auf. Hierzu gehören der jährliche „Sustainable Cotton Ranking Report“, die 2025 Sustainable Cotton Challenge und der kontrovers diskutierte Dokumentarfilm True Cost.

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